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ADHS

ADHS im Erwachsenenalter

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung und gehört zu den sogenannten neurologischen beziehungsweise neuromentalen Entwicklungsstörungen. Ihre grundlegenden Merkmale beginnen in der Kindheit, verändern sich jedoch häufig im Laufe des Lebens. Deshalb kann ADHS im Erwachsenenalter anders aussehen als bei Kindern und lange unerkannt bleiben.

Betroffen sind vor allem die Steuerung von Aufmerksamkeit und Aktivität sowie die Kontrolle von Impulsen. Entscheidend ist nicht, ob jemand gelegentlich unkonzentriert, unruhig oder spontan ist. Bei einer ADHS bestehen entsprechende Schwierigkeiten über längere Zeit, zeigen sich in verschiedenen Lebensbereichen und führen dort zu bedeutsamen Beeinträchtigungen.

Die Ausprägung ist individuell. Manche Menschen fallen durch körperliche Unruhe und impulsives Handeln auf. Bei anderen stehen Vergesslichkeit, Desorganisation oder eine nur schwer von außen erkennbare innere Unruhe im Vordergrund.

Diese Seite bietet eine allgemeine fachliche Einordnung. Das diagnostische Angebot der Praxis wird auf einer eigenen Seite beschrieben.

Zur ADHS-Diagnostik für Erwachsene

Wie sich ADHS zeigen kann

Viele Erwachsene mit ADHS können sich sehr intensiv konzentrieren, wenn eine Aufgabe interessant, neu oder dringend ist. Schwierigkeiten entstehen häufig dann, wenn Aufmerksamkeit willentlich gesteuert, über längere Zeit aufrechterhalten oder zwischen mehreren Anforderungen sinnvoll verteilt werden muss.

Im Alltag können unter anderem folgende Bereiche betroffen sein:

  • Aufmerksamkeit ausrichten und Ablenkungen begrenzen
  • Aufgaben beginnen, strukturieren und zu Ende führen
  • Zeit realistisch einschätzen und Termine einhalten
  • Informationen und Vorhaben im Arbeitsgedächtnis behalten
  • Impulse unterbrechen und Entscheidungen ausreichend überdenken
  • das eigene Aktivitätsniveau regulieren und zur Ruhe kommen

Zusätzlich berichten viele Betroffene, dass sie Gefühle nur schwer regulieren können, schnell überreizt sind oder unter starken Schwankungen ihrer Leistungsfähigkeit leiden. Solche Erfahrungen können im Zusammenhang mit ADHS stehen, gehören aber nicht für sich allein zu den diagnostischen Kernmerkmalen.

Eine Aufzählung einzelner Merkmale kann daher weder das persönliche Erleben vollständig abbilden noch eine diagnostische Beurteilung ersetzen.

Warum ADHS lange unerkannt bleibt

ADHS wird nicht immer im Kindes- oder Jugendalter erkannt. Das gilt besonders, wenn keine ausgeprägte motorische Unruhe besteht, gute Leistungen von den Schwierigkeiten ablenken oder ein unterstützendes Umfeld viel Struktur vorgibt. Manche Menschen entwickeln früh aufwendige Strategien, um Vergesslichkeit, Zeitprobleme oder innere Unruhe auszugleichen.

Mit zunehmender Selbstständigkeit steigen meist die Anforderungen an Planung, Organisation und Selbststeuerung. Ein Studium, wechselnde Arbeitsbedingungen, Familienaufgaben oder der Wegfall vertrauter Strukturen können dazu führen, dass bisher kompensierte Schwierigkeiten deutlicher werden.

Eine Diagnose im Erwachsenenalter bedeutet deshalb nicht, dass die ADHS erst dann entstanden ist. Zur diagnostischen Abklärung gehört immer auch der sorgfältige Rückblick auf die Kindheit. Schulzeugnisse, frühere Befunde und die Erinnerungen von Menschen, die die betreffende Person damals gut kannten, können dabei wichtige Informationen liefern.

Mögliche Folgen im Alltag

Wenn alltägliche Anforderungen trotz großer Anstrengung wiederholt nicht zuverlässig bewältigt werden, bleibt das häufig nicht ohne Folgen. Ausbildung und Beruf, Haushaltsführung, finanzielle Angelegenheiten oder Beziehungen können belastet sein. Wiederkehrende Misserfolge und Kritik können zudem das Selbstwertgefühl beeinträchtigen und zu Vermeidungsverhalten oder dauerhafter Überforderung beitragen.

ADHS kann außerdem gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auftreten. Dazu gehören beispielsweise depressive Erkrankungen, Angststörungen, Abhängigkeitserkrankungen und Schlafprobleme. Ob solche Beschwerden eine Folge langjähriger Belastungen sind, unabhängig von der ADHS bestehen oder sich gegenseitig verstärken, muss im Einzelfall geklärt werden.

Die Auswirkungen unterscheiden sich erheblich. Eine fachliche Beurteilung berücksichtigt deshalb nicht nur Symptome, sondern auch deren Entwicklung, die aktuelle Lebenssituation, vorhandene Ressourcen und das tatsächliche Ausmaß der Beeinträchtigung.

Was bei der diagnostischen Einordnung wichtig ist

Konzentrationsprobleme, innere Unruhe und Schwierigkeiten mit der Alltagsorganisation sind nicht spezifisch für ADHS. Sie können beispielsweise im Zusammenhang mit Schlafmangel, Depressionen, Angst, traumatischen Belastungen, körperlichen Erkrankungen oder Substanzkonsum entstehen. Eine qualifizierte Diagnostik prüft daher, welche Erklärung das Gesamtbild am besten erfasst und ob mehrere Bedingungen gleichzeitig vorliegen.

Auch eine Autismus-Spektrum-Störung kann mit Erfahrungen einhergehen, die zunächst ähnlich erscheinen oder eine ADHS verdecken. Eine Hochbegabung ist keine psychische Störung, kann aber die Wahrnehmung von Unterforderung, Leistungsunterschieden und Kompensationsmöglichkeiten beeinflussen. ADHS, Autismus-Spektrum-Störung und Hochbegabung schließen einander nicht aus. Sie können einzeln oder gleichzeitig in unterschiedlichen Konstellationen vorkommen.

Für die Einordnung sind deshalb die Entwicklung seit der Kindheit, typische Situationen, individuelle Bewältigungsstrategien und mögliche Begleiterkrankungen wesentlich. Online-Selbsttests und einzelne Fragebögen können Hinweise geben, ersetzen aber keine umfassende Diagnostik.

Mehr über Autismus · Mehr über Hochbegabung

Behandlung und weitere Unterstützung

Wenn sich eine ADHS bestätigt, richtet sich die Behandlung nach der Stärke der Beeinträchtigung, möglichen Begleiterkrankungen, medizinischen Voraussetzungen und den persönlichen Bedürfnissen. Bei einer behandlungsbedürftigen ADHS im Erwachsenenalter ist die medikamentöse Behandlung in der Regel der zentrale Baustein. Sie wirkt unmittelbar auf die ADHS-Kernsymptomatik und muss ärztlich eingeleitet und begleitet werden.

Psychotherapie ersetzt diese Wirkung auf die Kernsymptomatik in der Regel nicht. Sie kann jedoch sehr wirksam sein, wenn sich infolge der ADHS depressive Beschwerden, Ängste, Selbstwertprobleme, ungünstige Bewältigungsmuster, Beziehungskonflikte oder chronische Überforderung entwickelt haben. ADHS-spezifische psychotherapeutische und psychoedukative Ansätze können außerdem dabei unterstützen, die eigene Funktionsweise besser zu verstehen und alltagstaugliche Strategien für Planung, Struktur und Selbststeuerung zu entwickeln.

Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, kann erst nach einer sorgfältigen, fachlich qualifizierten Diagnostik entschieden werden.

Weitere Informationen zum Angebot einer ADHS-Diagnostik für Erwachsene.